Da an der Vollversammlung beim offenen Mikrofon von Frau Regierungsrätin Silvia Steiner und Amtschef des MBA Niklaus Schatzmann aus zeitlichen Gründen jeweils nur wenige Fragen beantwortet werden können, können weitere Fragen an uns gesendet werden (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.). Wir leiten sie gerne weiter. 

Bisherige Fragen und Statements haben wir bearbeitet und sie weitergeleitet. Die Antworten sind hier zu finden: 

 

 

 


Pädagogische Fragen

  • Keine Frage, sondern ein Einwand: Selbstorganisiertes Lernen setzt ein hohes Mass an Selbständigkeit und Selbstverantwortung voraus. In meinem BYOD-Unterricht erlebe ich Lernende teils sehr unselbständig und desorientiert; das Tablet oder der Laptop ist vor allem eine Ablenkungsmaschine, oft fehlt die erforderliche Reife um damit sinnführend umzugehen. Neue Lernformen verwirren in dieser sensiblen Phase eher und stehen einem Lernprozess im Wege. Das Lernen-an-sich ist eben ein sehr konservativer Prozess, es braucht Zeit. Ich sehe nicht, wie sich das in absehbarer Zeit ändern kann.

  • Ich sehe viele Schüler, die mit dem selbstorientierten Lernen überfordert sind. Sie haben dies nicht an der Sek. gelernt, waren mit Corona überfordert und dazu kommt noch die Digitalisierung, welche Sie ebenfalls fordert. Diese 3 Themen zusammen überfordert viele Lernenden. Die Jahrgänge, welche im August 2022 begonnen haben, schneiden bei vergleichbaren Prüfungen viel schlechter ab, wie die vorherigen Jahrgänge. Was kann man gegen diese Überforderung tun? Antwort MBA: Das ist schwierig zu beantworten. Kann wohl nur pädagogisch gelöst werden.

  • Ist die teilweise sehr prekäre Situation der Lernenden - z.B. Gartenbauer:innen die ständig für harte Arbeit anderen Betrieben ausgeliehen werden oder von Anfang an Projektleitung machen und quasi ohne Ausbildner:in die Lehre durchlaufen bzw. va. Lernende angestellt sind und ausgebildete nicht präsent - auf dem Radar des MBA? Antwort MBA: Ja, das ist Aufgabe der Berufsinspektoren. Wir leiten das weiter.

  • An den Berufsschulen im Kanton Zürich grassiert die Reformitis auf Unterrichts- und Personalebene. In diesem Zusammenhang getroffene Entscheide werden pseudodemokratisch legitimiert und durchgesetzt. Ob diese Entscheide wirklich einen positiven Einfluss auf den Lernerfolg der Lernenden hat, wird nicht hinterfragt - Hauptsache alles geschieht unter dem Titel "zeitgemässer Unterricht". Die Folge: Das Lehrpersonal ist frustriert, zunehmend demotiviert, fühlt sich übergangen und wird teilweise krank. Die Stimmung an gewissen Berufssfachschulen sinkt und die Unzufriedenheit im Personal steigt steil an. Man muss sich schon fragen, warum in dieser Sache seitens der Regierungsrätin und dem Mittelschul- und Berufsbildungsamt nur zugeschaut und nicht gehandelt wird. Daher meine Frage an Sie, Frau Steiner: Wann werden Sie endlich genau hinschauen und handeln? Antwort von Bildungsdirektorin Silvia Steiner: Die Frage zur Reformflut auf Unterrichts- und Personalebene an den Berufsfachschulen im Kanton Zürich ist sehr allgemein formuliert. Es bleibt unklar, welche Reformprojekte undSchulen angesprochen werden. Die über dreissig Berufsfachschulen im Kanton Zürich unterscheiden sich aufgrund der an ihnen auszubildenden Berufe erheblich. Die Schulleitungen sind für die pädagogische Führung der Schulen verantwortlich und üben diese Aufgabe grossmehrheitlich sehr verantwortungsvoll aus.

  • Gibt es die Möglichkeit die Attestausbildung (EBA) für alle Berufe einzuführen? Gerade mit Blick auf den Fachkräftemangel. Antwort MBA: Das ist Aufgabe der OdA in Zusammenarbeit mit dem SBFI. Da hat der Kanton ZH nichts zu sagen.

  • Durch die neue Regelung der prüfungsfreien BMS-Aufnahme spüren wir eine starke Zunahme von Lernenden, welche heillos überfordert sind an der BMS. Dies führt dazu, dass wir langsamer vorwärtskommen und dass sehr viel mehr Lernende die BMS wieder verlassen, teils schon nach wenigen Wochen. Meine Frage nun: soll oder muss die BMS ihre Ansprüche senken, das Niveau anpassen, damit mehr Lernende die BM erfolgreich absolvieren können? Antwort MBA: Nein, Lehrplan ist zu erfüllen und Ansprüche nicht zu senken.

 


Fragen der Anstellung und Einstufung

  • Im Kanton Zürich werden aktuell verschiedene Schulleitungsstellen neu besetzt. Gemäss Information ist laut aktueller Governance ausschliesslich eine Besetzung mit einem 100%-Pensum (ansonsten würde bei einer Teilzeitanstellung die restlichen % «verloren gehen») möglich. Des Weiteren sei ein Top-Sharing ausgeschlossen. Dies sei jedoch mit Inkrafttreten der neuen Governance möglich.
    1. Ich bitte um Angabe, wo genau ich die entsprechende Verordnung finde. Im EG BBG, Mittelschulgesetz, Personalgesetz für Staatsangestellte oder dem Protokollauszug Governance des Regierungsrats habe ich es leider nicht gefunden.
    2. Inwieweit zeigt sich die Bildungsdirektion/das MBA bereit, dem Wink der Zeit bereits jetzt zu folgen und zeitgemässe Anstellungsbedingungen zu schaffen? Das Personalgesetz für Staatsangestellte proklamiert 1998 (!): a) …berücksichtigt die Erfüllung von Familienpflichten b) …fördert flexible Arbeitsmodelle c) …verwirklicht die Chancengleichheit von Männern und Frauen. 

    Antwort MBA: Besten Dank für Ihre Fragen für das offene Mikrofon der LKB-Vollversammlung, auf die an der Veranstaltung aus Zeitgründen leider nicht eingegangen werden konnte. Gerne nehmen wir nun schriftlich dazu Stellung:

    Teilzeitanstellungen von Schulleitungsmitgliedern sind in den rechtlichen Grundlagen nicht explizit geregelt. Bis 2017 wurde die Mittel- und Berufsschullehrervollzugsverordnung (MBVVO) so ausgelegt, dass sämtliche Schulleitungsmitglieder mit einem Beschäftigungsgrad von 100% angestellt sein müssen. Dies aufgrund des Umstands, dass § 14 MBVVO die Lektionenverpflichtung von Lehrpersonen bei Vollzeitarbeit regelt und somit implizit die Möglichkeit von Teilzeitanstellungen eröffnet. Bei der Lektionenverpflichtung von Schulleitungsmitgliedern (§ 27 MBVVO der damaligen Fassung) fehlt ein Hinweis auf eine Vollzeitanstellung, da diese als gegeben erachtet wurde.

    Mit Praxisänderung vom 26. April 2017 ermöglichte das Mittelschul- und Berufsbildungsamt für Schulleitungsmitglieder – mit Ausnahme der Rektorinnen und Rektoren – eine Teilzeitanstellung mit einem Mindestbeschäftigungsgrad von 80%. Eine weitergehende Flexibilisierung war in Anbetracht der Interpretation der Bestimmungen der MBVVO nicht möglich.

    Wie Sie der im März 2023 vorgestellten Vernehmlassungsvorlage des Projekts Governance entnehmen können, ist auch uns die weitergehende Flexibilisierung der Anstellungsmöglichkeiten als Schulleitungsmitglied ein grosses Anliegen. Die derzeitigen Rechtsgrundlagen verhindern jedoch, dass diese Flexibilisierung bereits jetzt erfolgen kann.

  • Einigen IKA-Lehrpersonen ist zu Ohren gekommen, dass es bei allen IKA Lehrpersonen zu einer Angleichung in der Lohnstufe von 20 zu 22 kommt. Per wann wird diese Anpassung folgen? Antwort MBA:Es ist geplant, dass im Quartal 1 dies mit einer Verfügung erlassen wird.   

  • Eine Frage zur Steigerung der Attraktivität für Teilzeitarbeitende: aktuell sind Anstellungen für Lehrpersonen mit besonderen Aufgaben (Lehrperson mbA) an Anstellungspensen über 50 % gebunden. Ist hier eine Flexibilisierung geplant? Es können sich ja auch Lehrpersonen mit kleinen Pensen in Schulentwicklungsaufgaben einbringen oder in Lehrerkollegien spezielle Aufträge (z.B. Fachschaftsleitungen) übernehmen. Antwort MBA: Es sind aktuell keine Massnahmen geplant. Das wird wohl auf Revision MBVO / MBVVO warten müssen.

  • An den BFS bestehen grosse Unterschiede zwischen zwischen Fachkunde und Allgemeinbildung. Ich finde kaum IT-Lehrpersonen für die Informatik-Lehre. Unsere Löhne sind nicht immer konkurrenzfähig. Die Ansprüche eben doch sehr hoch. Antwort MBA: Das Problem ist bekannt, aber kaum zu lösen (Fachkräftemangel).

  • Brief «Siegfried Achermann»: Forderung einer Entlastung für Lehrpersonen in der Ausbildung, wie vor Lü16, angesichts des Fachkräftemangels. (Brief einsehbar) Antwort der Bildungsdirektorin Silvia Steiner: Zu den Massnahmen zur Bekämpfung des Fachkundelehrpersonenmangels ist folgendes zu sagen: lm Rahmen der Leistungsüberprüfung 16 (a) 16) wurden die Entlastungen fürdie Weiterbildung von Fachpersonen abgeschafft, da das Programm damals wenig genutzt wurde. Heute haben die Schulleitungen die Möglichkeit, für solche Massnahmen individuell aus dem schuleigenen Kontingent Entlastungen zu sprechen. Sollte das Entlastungskontingent an gewissen Schulen nicht ausreichen, könnte das Mittelschul- und Berufsbildungsamt auf Antrag externe Zusatzleistungen verfügen. Die Schulleitungen haben somit selbst die Möglichkeit, hier Massnahmen einzuleiten und einen Beitrag zur Bekämpfung des Lehrpersonen-mangels zu ergreifen. Sie sind nahe am Geschehen und können die Situation und die Notwendigkeit von Massnahmen am besten einschätzen.

 


Governance und Best-Practice

Bemerkung Silvia Steiner: Zum Projekt Governance wurde am 31. März 2023 das Vernehmlassungsverfahren eröffnet (zh.chlgovernance). Die Lehrpersonen können sich im Rahmen der Konvente, Konferenzen und Verbände detailliert zur Vorlage äussern. Als Bildungsdirektorin ist es mir ein grosses Anliegen, dass Schulleitungen, Schulkommissionen und Lehrpersonen ihre Bedenken im Rahmen der Vernehmlassung einfliessen lassen können. Die Stärkung des Schulsystems als gesamtes und damit auch die nachhaltige Gewährleistung einer guten Unterrichtsqualität sind für uns zentrale Anliegen.

 

  • An beiden Berufsschulen, an denen ich arbeite bzw. arbeitete, herrscht ein extrem autoritärer Führungsstil. Viele LP kündigten deswegen oder wurden dazu gebracht, zu kündigen oder wurden gar gleich gekündigt oder es wurde bei "Fehlverhalten" damit gedroht, um nur die Spitze des Eisberges zu nennen. Ich wechselte u.A. aus diesem Grund die Schule, aber es ist wieder genau gleich. Trotz vieler Beschwerden und Aktionen seitens der LP geschieht nichts. Warum werden wiederholt Führungskräfte eingestellt, die einen wirklich überholten, autoritären Stil pflegen? Warum hat die Kritik der LP keine Resonanz? Wer kontrolliert eigentlich die SL.- / Abt.-Kommission? Antwort MBA: Das MBA – mit allen den Schwierigkeiten, die die aktuelle Governance bietet. 

  • Wie lange und warum darf eine ganze Schulleitung (Rektorat und Abteilungsleitung) nicht unterrichten? Antwort MBA: Entlastung durch Schulkommission. Jedes Schulleitungsmitglied muss mindestens 1 Lektion im Schnitt unterrichten.

  • Wieso gibt es immer noch eine KV-Schule wie das KV Zürich, die halbprivat organisiert sein kann? Antwort MBA: Das ist historisch gewachsen. Mittlerweile sind es nur noch 2.

 


Kompetenzzentren

  • Wie kann es sein, dass das Projekt "Kompetenzzentren" durchgezogen wird und dann der erste Beruf, der nach dem Projekt im Kanton vergeben wird an eine Schule kommt, die die Voraussetzungen dazu nicht so gut erfüllt wie eine andere... Konkret: Beruf "Digital Business EFZ" - der eine Mischung aus Informatiker, Mediamatiker und KV ist - wird an die BBW nach Winterthur gegeben. Verwandter Beruf an der BBW ist nur der Informatiker Applikationsentwicklung. Im Vergleich dazu steht das BZZ in Horgen mit den Berufen "Mediamatik, Informatik Applikationsentwicklung, KV und der Wirtschafts BM). Für was werden alle Berufe im Kanton Zürich in Kompetenzzentren verteilt und der erste neue Beruf des Kantons wird dann nicht nach dem System "Kompetenzzentren" verteilt? Antwort MBA: Das ist der Entscheid des Bildungsrates.

 


LKB Internes

  • Gibt es die Möglichkeit, die Folien von Frau Prof. Dr. Seufert zu erhalten. Ja, die PPP von Frau Seufert ist wie alle anderen Präsentationen auf der Webseite publiziert.

  • Wird die LKB immer auf Dialekt durchgeführt? Das schliesst doch einige Kolleginnen und Kollegen aus. Beste Grüsse, Peter Ohnacker Lieber Peter, danke für den Hinweis. Wir haben uns das für die nächste VV vorgemerkt. 

  • Guten Morgen, keine Frage, aber ein Hinweis: es wäre gut, wenn Schriftdeutsch gesprochen wird. Der live-stream hat keine Untertitel, das wäre für unsere LP, die teilweis gehörlos oder schwerhörig sind, sehr wichtig. Schriftdeutsch würde minimum ein bisschen helfen. Danke vielmals. Auch dir danke für den Hinweis. Ist für die nächste VV so notiert. 

  • Wird das wirklich gelesen? Ja :-) 

>    Die unzähligen Komplimente und Dankeschöns wurden hier nicht aufgelistet. Merci!

 

 

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