"LKB-Vollversammlung", forum 45

 

Selbstverständlich, es gibt berechtigte Forderungen der Berufsschullehrerschaft. Es ist zum Beispiel bei der Inkraftsetzung der alten Berufsschullehrerverordnung von Regierungsrat Künzi versprochen worden, das volle Wochenpensum werde für alle auf 25 Lektionen herabgesetzt, und es gibt wirklich nach wie vor keinen Grund dafür, dass die einen Berufsschullehrerinnen und -lehrer länger arbeiten müssen als die anderen. Auch die Lohnpolitik der neunziger Jahre ist sehr fragwürdig, besonders jungen Lehrkräften gegenüber. Anderseits muss ehrlicherweise festgehalten werden, dass die neue Verordnung auch einige Verbesserungen bringt und dass die Lehrervertreter in der vorberatenden Kommission Einsitz hatten. Man muss zudem zur Kenntnis nehmen, dass aus der Staatskasse nicht alle Forderungen erfüllt werden können, welche von allen Seiten an sie herangetragen werden.

 

Es Fragt sich deshalb, ob es ein würdiger und kluger Stil ist, wenn gegen die neue Mittel- und Berufsschullehrerverordnung mit der Brechstange gekämpft wird, wenn in der LKB Scharfmacher das Kommando übernehmen, welche sofort mit Ultimaten und Streikdrohungen vorgehen. Es ist doch offensichtlich, dass diese Taktik aus der Mottenkiste des Klassenkampfs nichts anderes bringt als verhärtete Fronten. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es gut ist für die Durchsetzung unserer berechtigten Anliegen, wenn sich an der Vollversammlung Leute am Mikrofon produzieren, welche offenbar stolz auf ihr rüpelhaftes Benehmen gegenüber dem anwesenden Regierungsrat sind. Zivilcourage ja, aber nicht auf diese Weise! Problematisch ist zudem auch, dass dies von einer Organisation ausgeht, der alle Lehrer und Schulleiter zwangsweise angehören. Es muss in Erinnerung gerufen werden, dass in der Schweiz ein Zwangsbeitritt in eine Gewerkschaft verboten ist. Die LKB kann somit keine Gewerkschaft sein, und es ist auf keinen Fall ihre Sache, Arbeitsniederlegungen auch nur in Erwägung zu ziehen.

 

Die LKB kann aber mithelfen, das Vertrauensklima zu erhalten und stetig auszubauen, welches allein gute Resultate ergibt. Gelegenheiten zum Gespräch und damit zum beharrlichen Vertreten unserer Anliegen ergeben sich laufend, oft spontan und nicht zuletzt auch an der Vollversammlung. Wir können sie sicher besser nutzen, wenn wir es unterlassen, die anwesenden Vertreter des MBA und Regierungsrat Buschor in rüdem Ton vor den Kopf zu stossen.

 

Mathias Zimmermann, Rektor Wirtschaftsschule KV Wintertur und ehemaliger Präsident der LKB