An das Mittelschul-und Berufsbildungsamt

Amtsleitung

Kaspar-Escher-Haus

8090 Zürich

 

25. Juli 2000

Outsourcing des Studiengangs "Controlling" der KV Zürich Business School- Gründung einer Controller Akademie durch den KV Zürich und den Verband eidg. diplomierter Buchhalter/Controller (VEB)

 

Sehr geehrter Herr Dr.Escher

Mit Befremden hat die Delegiertenversammlung der LKB vom 23. Juni von der Gründung der obenerwähnten Controller Akademie Kenntnis genommen. Damit wird ein Kerngeschäft der Abteilung Weiterbildung der KV Zürich Business School ausgelagert, ein Lehrgang, der wesentlich zum Prestige dieser Schule beigetragen hat.

Es ist schwer verständlich, warum ausgerechnet das Huhn, das die goldenen Eier legt, aus der eigenen Schule ausgelagert wurde, und zwar durch den Schulträger, den Kaufmännischen Verband selber, unterstützt durch den Schulleiter der Abteilung Weiterbildung. Soll ausgerechnet Weiterbildung, die rentiert, privatisiert werden ? Es wäre doch sinnvoller, Möglichkeiten für eine Mischrechnung zugunsten weniger profitabler Weiterbildungsangebote offen zu halten.

 

Zwar hat die LKB volles Verständnis für das Problem der Rekrutierung von Lehrkräften für die Weiterbildung. Das Thema wurde ja im Zusammenhang mit der neuen Verordnung ausgiebig diskutiert. Aber wir haben da wiederholt darauf hingewiesen, dass das ganze Lohnsystem seit Jahren aus den Fugen geraten ist und die Löhne generell vor allem auch für die Einstiegsstufe dringend angehoben werden müssen. Damit würden auch Abweichungen innerhalb einer gewissen Bandbreite, wie sie namentlich von der Weiterbildung gefordert werden - als zeitlich beschränkte Massnahme – weniger dramatisch ausfallen.

 

Wir anerkennen auch den Wunsch der Weiterbildung, schneller auf die Situation auf dem Markt reagieren zu können. Dazu braucht es aber unserer Meinung nach nicht eine Privatisierung der Bildungsangebote, sondern mehr Handlungsspielraum für die Schulleitung, mehr Autonomie im Rahmen der Globalbudgets.

 

Mit dem Outsourcing des Controlling Studiengangs haben Sie ein falsches Zeichen gesetzt. Allen zugängliche und damit vom Staat getragene Weiterbildung muss auch weiterhin eine der wichtigsten Aufgaben im Bildungsbereich bleiben, soll das berühmte Reden von "Bildung als unserem wichtigsten Rohstoff in der Schweiz"eben nicht nur Gerede bleiben. Da haben SchulleiterInnen, Schulträger und auch die Verwaltung Vorbildfunktion. Nur durch ihr glaubwürdiges verantwortungsbewusstes Handeln kann die öffentliche Bildung und Weiterbildung auch in der Politik den Stellenwert bekommen, der volkswirtschaftlich nötig ist, um die wirtschaftliche Zukunft unseres Landes zu sichern und gleichzeitig auch die sozialen Kosten zu vermindern.

 

Mit freundlichen Grüssen

Für den Vorstand und die Delegiertenversammlung der LKB

Dr. Margrith Gysel

Präsidentin

 

Kopie an:

Regierungsrat Prof.Dr.E.Buschor, Bildungsdirektor

Herrn Erich Leumann, Chef MBA

Herrn Peter Vonlanthen, Geschäftsführer Kaufmännischer Verband

Herrn Dr. Peider Signorell, Rektor Weiterbildung, KV Zürich Business School

Frau Juliette France, Rektorin Grundausbildung, KV Zürich Business School