An das Mittelschul-und Berufsbildungsamt

Amtsleitung

Kaspar-Escher-Haus

8090 Zürich

 

26. März 2000

 

Schwierigkeiten bei Rekrutierung von Lehrkräften

 

Sehr geehrter Herr Dr.Escher

Der Vorstand der LKB ist sehr besorgt um die zukünftige Entwicklung der Einstellungspraxis bzw. lohnmässigen Einstufung von Gruppen von Lehrkräften, die im Moment auf dem Markt schwer zu finden sind.

 

Wir haben volles Verständnis für dieses Problem, das sich ja auch für die Mittelschulen stellt. Einer Umfrage gemäss beschränkt sich dort die Knappheit bereits nicht mehr nur auf Lehrkräfte aus dem mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich, sondern es zeichnen sich auch Engpässe bei den Phil.I-ern (alte Sprachen, Französisch) ab.

 

Unserer Meinung nach ist es höchste Zeit, dass die Arbeitsbedingungen für alle Lehrkräfte im Kanton Zürich überdacht werden. Bereits bei der Diskussion um die lohnwirksame Leistungsbeurteilung haben wir darauf hingewiesen, dass das ganze Lohnsystem seit Jahren aus den Fugen geraten ist. Auch die strukturelle Besoldungsrevison wurde ja nie wirklich umgesetzt, sondern es gab nur eine frankenmässige Ueberführung. Seither sind noch die Löhne gekürzt bzw. Stufenanstieg und Teuerungsausgleich nicht gewährt worden.

 

Um mit der Privatwirtschaft wieder konkurrenzieren zu können und auch die Abwanderung in Nachbarkantone, die bereits bessere Arbeitsbedingungen als der Kt. Zürich anbieten (z.B. Kanton Aargau), zu stoppen, ist es unabdingbar, dass die Löhne für Lehrerinnen und Lehrer generell wieder angehoben werden, insbesondere auch für Junglehrerinnen und -lehrer. Damit wird auch auch die Einstiegsstufe und damit auch der Lehrerberuf wieder attraktiver, und Abweichungungen innerhalb einer gewissen Bandbreite – als zeitlich beschränkte Massnahme – werden weniger dramatisch ausfallen. Einem lohnmässigen Ausspielen von Lehrergruppen gegeneinander darf kein Vorschub geleistet werden.

 

Zudem muss sich der Staat wieder- trotz oder gerade wegen der Abschaffung des Beamtenstatus- neu als verlässlicher Arbeitgeber bewähren. Auch die Stufenanstiege müssen selbstverständlich wieder gewährt werden. Die Randbedingungen der staatlichen Anstellung müssen stimmen, damit sich auch in Zukunft eine hochqualifizierte Lehrerschaft für eine optimale Ausbildung engagiert.

 

Mit freundlichen Grüssen

 

Für den Vorstand der LKB

Dr. Margrith Gysel

Präsidentin

 

Kopie an:

Regierungsrat Prof.E.Buschor Bildungsdirektor

Herrn Erich Leumann, Chef

 

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Bildungsdirektion des Kantons Zürich

Mittelschul-und Berufsbildungsamt

Kaspar-Escher-Haus

8090 Zürich

 

20. April 2000 He/rs

 

Frau Dr. M.Gysel

Präsidentin Lehrerinnen- und

Lehrerkonferenz der Berufsschulen

Rosengartenstr. 1

8037 Zürich

 

Schwierigkeiten bei Rekrutierung von Lehrkräften

Ihr Schreiben vom 6. März 2000

 

Sehr geehrte Frau Dr. Gysel

 

Zu Ihrem oben erwähnten Schreiben, das uns von Herrn Dr. Escher zur Beantwortung zugestellt worden ist, nehmen wir wie folgt Stellung:

 

Ihre Einschätzung der derzeitigen Arbeitsmarktsituation für die Rekrutierung und Erhaltung von Lehrpersonen teilen wir weitgehend. Ein ausgetrockneter Arbeitsmarkt besteht gegenwärtig leider nicht nur bei den Handelslehrern, Informatikern und den Mathematikern, sondern er zeichnet sich auch bei weiteren Fachgruppen ab. Da alle Schulstufen des Kantons Zürich von dieser Problematik erfasst werden, wird neben gezielten Einzelmassnahmen ein koordiniertes Vorgehen über alle Schulstufen hinweg nötig sein. Insofern sind für eine Gesamtlösung des Lehrermangels auch die politischen Kräfte des Kantons gefordert.

 

Zu ihrem Anliegen im engeren Sinne ist auf die folgenden Punkte hinzuweisen:

 

  1. Im Mittelschul- und Berufsbildungsamt erarbeitet momentan eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Herrn Erich Leumann einen Massnahmenkatalog zur Linderung der Auswirkungen des Lehrkräftemangels auf der Sekundarstufe II. Derzeit steht eine Teilrevision der Mittel- und Berufsschullehrerverordnung (MBVO) im Vordergrund. Für Fachkräfte aus besonders angespannten Arbeitsmarktsegmenten soll eine Lockerung der einschlägigen Einstufungsbestimmungen erreicht werden. Da diese Frage schwierige juristische Aspekte hat, sind weitere Varianten zu prüfen. Eine allfällige Aenderung der MBVO wird jedoch frühestens auf das Schuljahr 2001/02 in Kraft gesetzt werden können, da die entsprechenden Instanzenwege, inkl. Entscheid des Kantonsrats, sehr lang und aufwendig sind.
  2.  

  3. Auf den 1. Juli dieses Jahres kommt bekanntlich das Lehrpersonal in den Genuss einer dreiprozentigen Lohnerhöhung. Zusätzlich wird für den grössten Teil der Lehrpersonen der Stufenanstieg in die nächst höhere Jahresstufe freigegeben.
  4.  

  5. Ueber die oben erwähnten Massnahmen hinaus eine zusätzliche, generelle Lohnerhöhung allen Lehrkräften der Sekundarstufe II zu gewähren, ist aus finanzpolitischen Gründen nicht möglich. Es fragt sich auch, ob allfällige, derzeit noch in keiner Weise gesicherte zusätzliche finanzielle Mittel nicht besser gezielt für noch zu definierende Lehrergruppen und flankierende Massnahmen eingesetzt werden sollten. Zur Klärung dieser schwierigen Fragen sind wir gerne bereit, kreative Vorschläge von allen Seiten, namentlich auch seitens der LKB, entgegenzunehmen und zu prüfen.

 

Wir danken für Ihren gegenwärtigen und zukünftigen Einsatz zur Erhaltung eines mengenmässig ausreichenden und qualitativ hochstehenden Lehrkörpers auf der Sekundarstufe II. Für das bevorstehende Osterfest wünschen wir Ihnen eine erholsame und besinnliche Zeit

 

Mit freundlichen Grüssen

 

Dr. H. Herrmann

Stv. Chef

 

Kopie: