LKB: Jahresbericht 1999/2000

 

Für den LKB-Vorstand sind gute Arbeitsbedingungen zentral für die Befindlichkeit der Lehrerinnen und Lehrer und damit für einen qualitativ hochstehenden Unterricht. Er ist deshalb verpflichtet, die Sorgen seiner Kolleginnen und Kollegen Ernst zu nehmen und allenfalls auch das Gefäss einer ausserordentlichen Vollversammlung anzubieten – zur Standortsbestimmung und nicht, wie man ihm unterstellte, als gewerkschaftliche Manifestation.

 

Verhandlungsgespräche

Diese erste ausserordentliche Vollversammlung vom 18. Mai 1999 fand ihre Fortsetzung an der 32. ordentlichen Vollversammlung vom 18. November, wo die gewählte Verhandlungsdelegation zwar bestätigt, aber zugleich ein Warnstreik abgelehnt wurde. Denn mittlerweile hatte das MBA Bereitschaft zu Gesprächen über die vier Hauptforderungen signalisiert: Mitsprache gemäss Personalgesetz, Altersentlastung auch bei Teilzeitanstellung, Lehrerweiterbildung teilweise während der Arbeitszeit sowie gleiche Anstellungsbedingungen in Lehrlingsunterricht und Weiterbildung. Obwohl der LKB vorgeworfen worden war, sie habe Spielregeln verletzt, indem sie «Standespolitik» betreibe und nicht nur eine «Koordinationsfunktion » wahrnehme, wurde sie zusammen mit den VertreterInnen der Verbände und der Rektorenkonferenz zu den Gesprächen eingeladen.

Ein weitere Folge des 18. Mai ist die Arbeitszeituntersuchung, die mittlerweile trotz Vorbehalten namentlich von Seiten der KV-Lehrer bezüglich des gewählten Zeitraums bereits abgeschlossen ist. Gespannt erwarten wir nun die Resultate und deren politische Umsetzung. Wir hoffen, dass Kostenneutralität nicht oberstes Gebot bleiben wird, denn eine allfällige Pensenreduktionen der BerufsschullehrerInnen zu Lasten der MittelschullehrerInnen würde der nötigen Annäherung der Lehrkräfte auf der Sekundarstufe II diametral entgegen stehen.

 

Anstellungsbedingungen und Image

Die LKB ist nicht besonders glücklich über die zwei neuen Kategorien von unbefristet angestellten Lehrpersonen: Mittel- und Berufsschullehrpersonen obA (ohne besondere Aufgaben) und Mittel- und Berufsschullehrpersonen mbA (mit besonderen Aufgaben). Sie widersetzt sich einer Quantifizierung der Zusatzaufgaben, wie dies von den KV-Rektoren vorgesehen wurde. Die Kontrolle über die Rechtfertigung der Lohndifferenz ist eine Führungsaufgabe der Schule; die LKB akzeptiert keine Stundenbilanzen.. Dies käme einer Entmündigung gleich, einer weiteren Demontage des LehrerInnen-Images.

 

Lehrermangel

Schon jetzt ist für viele Fächer schwierig, qualifizierte Lehrkräfte zu finden. Eine Umfrage des LKB-Vorstandes bei allen Schulen belegte dies deutlich. Trotzdem ist der LKB-Vorstand aber klar gegen eine Änderung von §6 der neuen Verordnung, gegen weitere Deregulierung; sie lehnt Notrechtsparagraphen strikte ab und fordert dafür generell ein Anheben des Lohnniveaus. Dies betrifft auch die Weiterbildung, wo «Outsourcing» bereits Realität geworden ist und damit auch der staatliche Auftrag, die Qualität der Weiterbildung und die Gleichwertigkeit der Weiterbildung mit dem Pflichtunterricht in Frage gestellt sind.

 

Weitere Schwerpunkt

Eine weitere Zielsetzung war eine bessere Zusammenarbeit mit Delegierten und Konventen. Wir hoffen, dass unser Wunsch nach Verflachung der Hierarchien, nach verstärktem Einbinden der KonventspräsidentInnen in die LKB, nach Stimmrecht für alle an der Vollversammlung und nach Aufhebung der Amtsdauer für den Vorstand auch beim Amt Gehör finden wird.

Wir beteiligten uns an Vernehmlassungen, wie beispielsweise zu den Brückenangeboten und zur Teilrevision des Einführungsgesetzes zum BBG und an der Erarbeitung eines neuen Konzept für das «Forum».

Ein weiterer Schwerpunkt war die Imagepflege, die Öffentlichkeitsarbeit. Als Beispiel genannt sei eine Veranstaltung für KantonsrätInnen mit einem Referat von Prof. Dubs über «Die Verantwortung der PolitikerInnen gegenüber den Lehrkräften».

 

Es bleibt viel zu tun!

Die Zusammenarbeit zwischen Berufsschul- und Mittelschullehrpersonen steht erst am Anfang. Da müssen noch viele Vorurteile abgebaut werden.

Auch die Zusammenarbeit mit den Verbänden ist uns wichtig. Wir sind aber überzeugt, dass die öffentlich-rechtliche Mitsprache, wie dies heute LKB und Synode garantieren, entgegen dem Vernehmlassungsentwurf des neuen Volksschulgesetzes erhalten bleiben muss. Dafür wollen wir uns zusammen mit der Synode im kommenden Jahr einsetzen.

Zum Schluss bleibt mir zu danken für alle Unterstützung der LKB im vergangenen Jahr: für die gute partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Mittelschul- und Berufsbildungsamt, der Schulleiterkonferenz, mit den Lehrerverbänden und der Synode.

Mein Dank geht auch an alle VertreterInnen der LKB in den verschiedenen Kommissionen, an die Delegierten und vor allem an meine Vorstandskolleginnen und -kollegen, die auch im vergangenen Jahr wieder voll gefordert worden sind.

 

Margrith Gysel, Präsidentin LKB