Neue kaufmännische Lehren

Nach ihrer langen Vorgeschichte bringt die Reform nun konkrete Pilotprojekte hervor. * Vier Eckpfeiler eines neuen Rahmenlehrplans und eines (betrieblichen) Lernzielkatalogs werden dabei erprobt:

• Selbstständigkeit

• Lernen und Arbeiten lernen

• Lernen und Arbeiten als gemeinschaftliche Aufgabe

• Prozesseinheiten (= 2-3 betriebliche Lerneinheiten pro Lehrjahr, die ganze Arbeitsprozesse umfassen)

 

Weitere wichtige Teile des Projekts sind:

• Zwei Niveaustufen und eine einheitliche Zwischenprüfung, die Umteilungen ermöglicht, allenfalls Repetition. Dazu kommt als dritte Stufe die Berufsmatura.

 

• Im Basisjahr, dem 1. Lehrjahr, finden am Anfang 3-6 Wochen vollzeitlich Schule statt; im Laufe der Lehrdauer nimt dieser Anteil ab. (Degressives Schulmodell) Insgesamt bleibt der Schulanteil etwa gleich wie bisher.So werden die Lehrlinge «schneller praxistauglich.» (NZZ, 18. Juni 1998)

 

• Fremdsprachen richten sich vermehrt an internationalen Sprachzertifikaten aus, i.b. im BM-Unterricht. Wer schneller lernt, kann ein höheres Diplom erwerben oder eine weitere Sprache lernen.

 

• Der Betrieb setzt - vor allem im 2. und 3. Lehrjahr - für branchen- und produktespezifisches Wissen mehr Zeit ein als bisher, dafür weniger für allgemeines kaufmännisches Wissen.

 

• Der Stoff des Berufsschulunterrichts ist im 1. Jahr einheitlich geregelt, im 2. und 3. Jahr hingegen von der Schule teilweise fächerübergreifend gestaltet. Entsprechend kann die Schlussprüfung teilweise dezentralisiert werden.

 

Zur Prüfungsorganisation werden zur Zeit Vorschläge erarbeitet. Noch offen ist auch die Weiterführung der «Bürolehre» (ev. als Niveau 1 der Kaufm. Lehre), die Abgrenzung zwischen Basiskurs und (betrieblichem) Einführungskurs im 1. Jahr sowie das Ausmass des fächerübergreifenden Unterrichts.

 

Willy Nabholz, Redaktor "Blätter" und LKB-Vizepräsident

 

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* Pilotversuche starten im Herbst 1998 an der EPC Lausanne, der KBS Baden, der KBS Liestal und der KBS Weinfelden. Eine 2. Gruppe von Schulen wird 1999/2000 starten, darunter die KBS Zürich.

Die aktuellste offizielle Information enthält der Faltprospekt Reform der kaufmännischen Grundbildung, hgg. vom BBT, Februar 1998.