LKB: Jahresbericht 1997/1998

 

Die Lehrerinnen- und Lehrerkonferenz der Berufsschulen des Kantons Zürich (LKB) hatte schon früh Zustimmung zu einem Wechsel der Berufsbildung in die ED und zu einem Bildungsrat mit Vertretung von Synode und LKB signalisiert. Mit dem neuen Mittelschul- und Berufsbildungsamt unter der Leitung des bisherigen Amtschefs der Berufsbildung, Matthias Escher, scheinen uns nun gute Voraussetzungen für eine echte Aufwertung der Berufsbildung gegeben. Es ist auch sinnvoll, dass neu das höhere Lehramt für Berufs- und Mittelschulen und die Fort- und Weiterbildung für Lehrpersonen an Berufsschulen dem Hochschulamt unterstehen.

 

Andererseits sind wir aber zutiefst enttäuscht über den Entscheid des Kantonsrates bezüglich Bildungsrat. Indem er die Wahl des Bildungsrats an den Regierungsrat delegiert, verzichtet er auf ein wichtiges demokratisches Recht. Weiter ist uns unverständlich, wie ausgerechnet ein Gremium, das Aufsichts- und Leitungsfunktionen wahrnehmen, Schulleitungen wählen und Fragen des Bildungswesens insgesamt behandeln soll, auf Experten der Bildung, Lehrerinnen und Lehrer, verzichten soll. Dieser Entscheid ist ein Misstrauensvotum der gesamten Lehrerschaft gegenüber, und dies in einer Zeit , in der die Anforderungen im Lehrberuf stetig wachsen und Unterstützung und Wertschätzung nötig wären statt Verunsicherung und Demotivierung. Dies entspricht de facto einer weiteren Demontage der Berufsgruppe, der das wichtigste Gut, nämlich die Jugend und damit die Zukunft unseres Landes anvertraut ist.

 

Um unser Selbstverständnis nach aussen zu vermitteln und auch intern zu stärken, hat die LKB an der letzten Vollversammlung ein Leitbild verabschiedet. Wir haben die Gelegenheit wahrgenommen, auch weitere Kreise über unsere darin formulierten Positionen zu informieren.

 

Neu hat die LKB eine eigene Internet Home-page, in der Grundsätze, Stellungnahmen und Informationen publiziert werden : http://www.lkbzh.ch

 

Lohnwirksame Leistungsbeurteilung

Nachdem klar war, dass diese Pille geschluckt werden musste, da gemäss Kantonsratsbeschluss ohne Beurteilung kein Stufenanstieg möglich ist, ging es um Schadensbegrenzung. Analog zu den Mittelschulen wurde ein Vorschlag ausgearbeitet, der in erster Linie der Förderung und Unterstützung der Lehrpersonen dient, also feed-back- orientiert sein soll, ohne Differenzierung der Qualifikation im grossen Bereich der guten Lehrkräfte. Den einzelnen Schulen wird im Rahmen eines weit gefassten Kriterienkatalogs grosse Freiheit zur eigenen Ausgestaltung eingeräumt. Eine Quotenregelung wurde klar abgelehnt und es wurde auch festgehalten, dass die Weiterführung des bestehenden Notrechts (Quoten für die eigentlich als regulär vorgesehenen Stufenaufstiege) das ganze Lohnsystem und damit auch das Beurteilungssystem in Frage stellen würde.

 

Neues Personalgesetz

Die Ausarbeitung einer neuen Berufsschullehrerverordnung ist in Angriff genommen worden, bei der die LKB zusammen mit den Personalverbänden mitmacht. Wir hoffen noch, dass dabei längst anstehende heisse Eisen angepackt werden.

 

Zukünftige Zusammenarbeit zwischen LKB und Synode

Mit der zukünftigen Teilautonomie der Schulen wird noch wichtiger, dass Lehrerinnen und Lehrer unmittelbar Zugang haben zu einem übergeordneten Gremium, das ihre Interessen wahrnehmen und den Kontakt mit der Verwaltung pflegen kann. Es ist dem LKB-Vorstand deshalb ein grosses Anliegen, die Strukturen der LKB zu stärken und, im Zusammenhang mit der Zusammenführung von Mittelschulen und Berufsschulen, die künftige Zusammenarbeit mit der Synode zu definieren. Klar ist, dass LKB und Synode, beides «Zwangskörperschaften», sehr verschiedene Aufträge haben und deshalb nicht einfach verschmolzen werden können.

 

Zum Schluss bleibt mir zu danken: meinen Vorstandskolleginnen und -kollegen für ihre unermüdliche treue Mitarbeit, die auch im vergangenen Jahr oft die Grenze des Zumutbaren erreicht hat. Dann geht mein Dank an die Delegierten: Sie haben eine wichtige Funktion als Brücke zwischen Schulen und der LKB. Es ist nicht selbstverständlich, dass in einem Umfeld, wo Belastung und Druck dauernd steigen und viele Kolleginnen und Kollegen sich in die Schule zurückziehen, sich trotzdem engagierte Leute zur Mitarbeit zur Verfügung stellen. Danken möchte ich auch dem Mittelschul- und Berufsbildungsamt für die gute Zusammenarbeit, vor allem den Herren Matthias Escher und Erich Leumann, dann der Rektorenkonferenz, den Verantwortlichen der Synode und der VLV und auch den Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft und Politik, die sich für die Anliegen der Berufsbildung engagieren.

 

Margrith Gysel, Präsidentin LKB