Pressecommuniqué
Vollversammlung 1998 der Berufschullehrerinnen und -lehrer des Kantons Zürich
Berufsbildung: Blick von Zürich nach Bern und Brüssel
In der Stadthalle Bülach befasste sich die Lehrerinnen- und Lehrerkonferenz der Zürcher Berufsschulen am Donnerstag mit den Vorgängen im eigenen Kanton und richtete ihre Blicke gleich auch nach Bern und nach Brüssel.
Der Anlass, bei dem in früheren Jahren auch mal ein Zirkusbesuch oder ähnliches angesagt sein konnte, war dieses Jahr deutlich geprägt von den Böen, die gegenwärtig durch die zürcherische und schweizerische Berufsbildungslandschaft fegen.
Die Präsidentin, Margrith Gysel, begründete unter anderem die Opposition der Lehrerorganisationen gegen den neu zu schaffenden Bildungsrat, über den im Kanton abgestimmt wird. Eine dünne Mehrheit des Kantonsrats hatte daraus gegen den Willen der Regierung ein undemokratisches, von der Regierung eingesetztes Gremium gemacht und überdies die vorgesehene Lehrkräfte-Vertretung gestrichen. Die LKB habe sich an dieser Nein-Kampagne beteiligt in der Überzeugung, dass eine Verzögerung dieser ansonsten positiven Vorlage das kleinere Übel wäre. Sie wies ausserdem auf die vom neuen Mittelschul- und Berufsbildungsamt vorgeschlagene Änderung der Schulkreise hin und auf die (noch) unbefriedigende Arbeit an der neuen Personalverordnung für die Lehrkräfte der Sekundarstufe II.
Über das neue Berufsbildungsgesetz (BBG), das im kommenden Jahr in Vernehmlassung geht, informierte Hans Sieber, Direktor des Bundesamts für Berufsbildung und Technologie (BBT). Nicht immer wurde auch klar, was sich dadurch für die Lehrkräfte selbst ändern wird. Dennoch überwog die Zuversicht, dass damit Freiraum für viele längst notwendige Innovationen entstehen wird.
Als Gastreferent aus Brüssel knüpfte Adrian Schertz den Faden zur Berufsbildungspolitik der Europäischen Union. Er musste davon ausgehen, dass hierzulande auch Berufsschullehrkräften kaum bewusst ist, wie und wie stark die EU berufliche Bildung fördert. Sie tut dies in erster Linie, um Arbeitsmarktprobleme zu beheben, denn "Humanressourcen sind wohl der zentrale Aspekt zur Sicherung der Beschäftigungsfähigkeit von Arbeitnehmern und der Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft." Zur Förderung von Dialog und Mobilität über die Grenzen hinweg sei auch der Berufsbildung in der Schweiz zu wünschen, dass sie vermehrt an den EU-Förderprogrammen teilnehme.
Der Nachmittag setzte den Berufsbildungs-Dialog wenigstens innerhelvetisch in die Tat um: Mit einem Gespräch zwischen zwei Politikern, dem Präsidenten der Erziehungsdirektorenkonferenz, Hans Ulrich Stöckling, FdP, und SP-Nationalrat Rudolf Strahm. Zeitweise schienen sich da zwei völlig verschiedene Welten zu begegnen - doch immerhin hätte das Gespräch - auch mit dem Publikum - noch lange fortgesetzt werden können.
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